20 Dinge über mich, die niemanden was angehen und eh keinen interessieren

24. Oktober 2013

Ich bekam ein Blogstöckchen zugeworfen. Und verspielt wie ich bin, bin ich hinterher gerannt, hab’s aportiert und erzähle nun 20 Dinge aus dem Nähkästchen. Denn darum geht’s bei diesem „20 Dinge“-Ding, das im Moment durchs Netz geistert.

Zieht Euch warm an, here we go:

  1. Ich mache das hier nur, um einen Vorwand zu haben, diesen brachliegenden Blog wieder in Betrieb zu nehmen.
  2. Ich musste gerade schon wieder nachschauen, ob man sich mittlerweile geeinigt hat, ob es „das Blog“ oder „der Blog“ heißt. Hat man nicht. Sag ich also weiter „der Blog“.
  3. Ich wurde als Fleischfresser geboren und werde als Fleischfresser sterben. Wenn ich ein Schwein sehe, denke ich an Kotelett oder Schnitzel. Gerne mit Gemüsebeilage. Damit es aussieht, als wenn mich Vitamine im Essen interessierten.
  4. Mathematik ist für mich ein Buch mit mindestens sieben Siegeln. Technik im Allgemeinen auch. Und Naturwissenschaft. Ökonomie sowieso. Ich hatte also keine andere Chance als mein Geld mit Schreiben zu verdienen. Ich kann halt nix anderes.
  5. Dieses Blogstöckchen wurde mir von Stefan Möller zugeworfen. Wenn man Stefan und mich auf Facebook liest, könnte man oberflächlich betrachtet glauben, wir wären einander abgeneigt. Das ist nicht so. Ich mag Stefan und seine arroganten Postings auf FB.
  6. Während andere gerne in epischer Breite erzählen, neige ich zur Kürze. Deswegen höre ich bei Punkt 6 auf.
  7. Ich besitze Pflichtgefühl und Ehre. Mach ich also weiter.
  8. Ich esse nicht nur gerne Fleisch, ich mag auch Frauen mit langen Haaren, kurzen Röcken und hohen Schuhen. Und Fußball. Und schnelle Autos. Und Bier/Whisky/Grappa. Und das Gefühl, zumindest manchmal jedes Klischee zu erfüllen.
  9. Ich hasse Unpünktlichkeit.
  10. Wie jetzt? Noch zehn Dinge?
  11. Ich lasse mir regelmäßig einen 2/3/4 oder auch 5-Tage-Bart stehen, weil ich zu faul zum Rasieren bin. Meine Familie hasst das.
  12. Ich liebe meine Familie.
  13. Ich halte mich für einen guten Autofahrer. Und die vier Punkte in Flensburg sind auch schon längst wieder gelöscht.
  14. Ich mag den Bürgermeister meiner Heimatstadt nicht. Er mag mich auch nicht. Das hat historisch gewachsene Gründe. Er mag dafür riesige, langweilige Shopping-Center in Kleinstädten. Ich nicht.
  15. Ich werde immer Werder-Bremen-Fan bleiben. Wär auch blöd, wenn nicht, weil wir sonst das Werder-Wappen, das wir in unserer Auffahrt haben pflastern lassen, teuer wieder entfernen müssten.

    Bleibt so. Lebenslang grün-weiß.

  16. Ich mag keine Ideologen. Ich muss nicht alles mögen, was andere machen oder denken. Andere müssen nicht alles mögen, was ich mache oder denke. Worum es geht, ist Respekt, nicht Rechthaberei und Diskriminierung. Das gilt in Bezug auf ALLE politischen, religiösen oder sonstigen akut ideologiegefährdeten Bereiche.
  17. Ich mag eBooks nicht. Ich mag die ca. 4500 Bücher, die daheim Regal stehen, auf Boden/Tisch/Sofa/Stühlen usw. liegen. Und ich mag den Spruch eines ehemaligen Kommilitonen, der entgeistert feststellte, ich würde Bücher in „nicht handelsüblichen Mengen“ kaufen und konsumieren.
  18. Ich mag die alten Platten von Marius Müller-Westernhagen. Und höre sie immer noch. Völlig egal, was andere darüber denken.
  19. Mein Leib- und Magenautor ist Arthur Schnitzler. Erzeugt beim Lesen Gefühle von Seelenverwandtschaft. Dazu passt, dass Wien meine Leib- und Magenstadt ist. Nach Wien zu fahren ist ein Gefühl, wie „nach-Hause-fahren“.
  20. Endlich. 20.
  21. Och, schade, jetzt wollte ich gerade noch ein paar Geheimnisse über meine sexuellen Vorlieben, meine politischen Ansichten und darüber, wen ich überhaupt nicht leiden kann, verraten. Aber ist ja schon vorbei. Sowas aber auch…
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Bruen-tal gut – Jack Taylor und Co. endlich auf deutsch

12. Dezember 2010

Wann der Erstkontakt stattgefunden hat, weiß ich leider nicht mehr. Aber ich bin dem- oder derjenigen, die mich auf Ken Bruens Jack Taylor-Reihe im Atrium-Verlag aufmerksam gemacht hat, immer noch dankbar.

Ich muss dazusagen, dass ich nicht unbedingt zu den passionierten Krimi-Lesern gehöre. Auch wenn Sonntag abends auf Twitter die Zahl der Tweets mit dem Hashtag #tatort unüberschaubar wird, schalte ich eher ab. Und lese. Und zwar in letzter Zeit vermehrt…Krimis. Und daran ist Ken Bruen nicht ganz unschuldig.

Seine Jack Taylor-Krimis brechen mit einigen Standards des Genres. Es geht weniger um die Leichen, die Polizei, das Verbrechen als solches. Sondern es geht um die Verbrechen, die das Leben so an Jack Taylor, der Hauptfigur dieser Krimis, begangen hat. Es hat ihn rauskatapultiert aus dem Polizeidienst, und es hat ihn auch rauskatapultiert aus allen anderen Beziehungen, die er im Laufe seines Lebens so eingegangen ist. Weil Taylor die hohe Kunst der Diplomatie nicht beherrscht. Könnte man sagen. Oder weil er straight, grundehrlich und ein Gerechtigkeitsfanatiker ist. Könnte man auch sagen.

Die Jack-Taylor-Reihe, von der bisher drei Bände in der deutschen Übersetzung von Harry Rowohlt erschienen sind, ist über weite Strecken eine psychologische Studie der Hauptfigur. Wer allzu viel Introspektion und latente Handlungsarmut über viele Seiten hinweg so gar nicht mag, sollte eher nicht zu Bruen greifen. Und trotzdem muss ich sagen: wer nicht zu Bruen greift, verpasst was.

Das hat wohl mittlerweile auch der ehrenwerte Suhrkamp-Verlag gemerkt und neun Jahre nach dem Erscheinen des Originals „London Boulevard“ auf den Markt gebracht. Die psychologischen Parallelen zwischen Jack Taylor und der LB-Hauptfigur Mitchell sind offensichtlich. Beide sind oft vom Leben enttäuscht worden, kompensieren das mit jeder Menge Alkohol und auch anderem Stoff, setzen voll auf die Zynismus-Karte und geben sich als unnahbare einsame Wölfe. Und bei beiden ist die Sehnsucht nach echten Gefühlen, tiefen menschlichen Beziehungen doch jederzeit spürbar. Umso brutaler trifft es auch den Leser, wenn sich in Mitchells Leben die Frau zeigt, die ihn aus allem Ungemach retten könnte und diese ein paar Seiten später von seinen Gegenspielern brutal ermordet wird.

Das Leben spielt den Figuren Ken Bruens übel mit, und für den Leser ist die Lektüre somit Katharsis im Hinblick auf all die Idioten, die ihm in seinem täglichen Leben begegnen und verhindern, dass er es so leben kann, wie er gerne möchte.

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Kleiner Messerundflug

11. Oktober 2010

Nachdem ich großkotzig angekündigt hatte, WÄHREND der Buchmesse AKTUELL zu bloggen und die Aktivitäten auf dieser Seite unmissverständlich anzeigen, dass ich das NATÜRLICH nicht geschafft habe, will ich wenigstens jetzt einen kleinen Überblick über die #fbm10 (so der Twitter-Hashtag) aus meiner Perspektive geben.

Ärger über die DB, ihre Mitarbeiter, Fahrpläne und Unzuverlässigkeiten können dieses Mal ausgeblendet werden, da mein vierrädriger japanischer Freund mit den drei Diamanten im Signet mich flugs gen Hessen beförderte und sich von den üblichen Staus rund um Ruhrgebiet und Rheinland nicht irritieren ließ.

Der Messestart war klasse, fiel doch der erste vereinbarte Termin gleich mal ins Wasser (zur Ehrenrettung der Gegenseite sei gesagt, dass wir ihn einen Tag später zur gleichen Zeit nachholen konnten…).

Danach jedoch waren meine drei Messetage von einer gewissen Atemlosigkeit geprägt, die sich angesichts der Fülle aus richtig-wichtigen Terminen, die Weichen für die nähere und mittlere Zukunft gestellt haben und den nicht minder wichtigen „weichen“ Terminen als Dauergefühl etablierte.

Was aus den richtig-wichtigen Terminen geworden ist, wird sich hoffentlich irgendwann auf den Neuerscheinungsregalen einer der kommenden Buchmessen niederschlagen. Die „weichen“ Termine bestanden aus Ereignissen wie „Twittagessen“, „Hot Spotting Book People in Social Media“, der Krönung von „Mr. und Mrs. Bookfair“ oder auch der Teilnahme an Happy Hours und abendlichen Verlagsparties.

Es ist immer wieder enorm zu sehen, wie viele richtig-wichtige und weiche Termine in gerade mal knapp drei Tage Frankfurt hineinpassen. Dass Schlafen nicht zu den zentralen Tätigkeiten des Messebesuchers gehört, versteht sich dabei von selbst.

Eins ist allen Terminen gemeinsam, das bestätigt sich Jahr um Jahr, und hat auch dieses Mal wieder bewiesen, dass diejenigen, für die „die Messe nicht so wichtig“ ist, daneben liegen: Egal, ob der Grund des Treffens ein Twittagessen an der Würstchenbude ist oder ein vorher vereinbarter Termin mit Agentin und Verlagsleiter, die guten Ideen scheinen sich im persönlichen Gespräch wie von selbst zu ergeben. All das, was Tage und Wochen am einsamen Schreibtisch nicht zu produzieren vermochten, fliegt einem im Messegespräch von ganz alleine zu. Ein ganz besonderer Dank geht also an die namentlich hier nicht genannten richtig-wichtigen Gesprächspartner und ebenso an all die nicht weniger wichtigen „weichen“ Gesprächspartner.

Die Twittagessen brachten ein Wiedersehen mit der Elite meiner Timeline, die Aufzählung hier beansprucht keine Vollständigkeit, darf aber gerne als ewig währender #ff gelesen werden:

Richard K. Breuer (@dschun), der der höchst lebendige Beweis dafür ist, dass die Wiener Literatentradition noch lange nicht ausgestorben ist. Richard: mit niemandem würde ich lieber eine Viertelstunde lang auf der Suche nach einem Kaffee über das Freigelände flanieren, es lohnt sich immer!

Stefanie Leo (@buecherkinder), die ich bisher nicht persönlich kannte und die von einer so ansteckenden Fröhlichkeit und Gradlinigkeit ist, dass sie einem im Handumdrehen gute Laune herbeizaubert

Miriam Semrau (@krimimimi33), für die die Fröhlichkeitsbemerkung bei Stefanie in gleichem Maße gilt und deren Power für mehrere Buchmessen hintereinander reichen würde. Nicht einmal ihre merkwürdige Schwäche für Roger W. kann meine Zuneigung hier ins Wanken bringen…

Steffen Meier (@steffenmeier), den ich mit diesem Foto schon wieder in die Bredouille gebracht habe und der an meinem Talent für Tweets, die als Kieselstein beginnen und als Lawine enden irgendwann verzweifeln wird

Philipp Weinbrenner (@DonBrandy), der für mich von vornherein als the one and only Mr. Bookfair feststand

Holger Reichard (@wortmax), mit dem ich zum ersten Mal länger plaudern konnte, was uns sofort zur Feststellung einiger Überschneidungen in unseren literarischen Vorlieben führte

Stefan Möller (@hedoniker), der eben Stefan und nicht Steffen heißt und beim Kuchenessen am Droemer-Stand eine ebenso gute Figur macht wie bei der Laudatio zur Mr./Mrs. Bookfair

Wibke Ladwig (@sinnundverstand), die der diesjährige Juist-Urlaub, bei dem wir uns kurz trafen, offensichtlich so beflügelt hat, dass sie nicht nur Mrs. Bookfair wurde, sondern auch zur absoluten Social-Media-Queen der Branche avancierte

Leander Wattig (@leanderwattig), der nicht nur „was mit Büchern“, sondern auch wieder jede Menge „auf der Messe“ machte, trotzdem Zeit für ein Stück Kirschstreuselkuchen hatte und als Werder-Bremen-Fan bei mir sowieso schon lange gewonnen hat

Patricia Keßler (@knaurverlag), die für den nun schon zweimal zitierten Kuchen verantwortlich zeichnete und diesen elegant parlierend am Droemer-Stand darbot. Dafür, dass meine Entscheidung, zur Droemer-Party zu gehen, eine Fehlentscheidung war, konnte sie wirklich nichts…

Karla Paul (@buchkolumne), die noch versuchte, mich am Freitag abend mit all den anderen zum Italiener zu schleppen. Die Absage dieses Angebots bedauerte ich spätestens beim „Genuss“ pappiger Pommes an einer ungenannten deutschen Autobahnraststätte

Heike Koschyk (@HeikeKoschyk), die einen Moment lang für einen Besuch bei der Mr./Mrs. Bookfair-Krönung ernsthaft überlegte, ihre Familie am Flughafen warten zu lassen, dies aber dann wohl doch nicht übers Herz brachte

Carsten Raimann (@craimann), den die Lahmarschigkeit einiger Marktteilnehmer in Sachen Social-Media genauso zum Wahnsinn treibt wie mich

Saskia Heinen (@SaskiaHeinen), die ich dieses Mal leider nur einmal kurz am UTB-Stand traf und die unvergleichlich hart im Nehmen ist: Freitag bis mittags auf der Messe, Rückfahrt, und dann noch im Laden ihre Frau stehen! Respekt!

Heike Schmidt (@HeikeSchmidt), die nicht nur die schärfsten roten Pumps der ganzen Messe trug, sondern ein weiteres Mitglied der Fröhlichkeits-Fraktion ist und meine Vermutung, dass UTB für „Unendlich Tolle Buchmenschen“ steht, ein weiteres Mal bestätigt hat

Ansonsten fiel mir stark erhöhte Promidichte auf, was tendenziell eher erhöhten Bedarf an Ghostwritern in den kommenden Jahren bedeuten könnte. Social-Media war in aller Munde, eBooks auch, und Vargas Llosa gewann den Literatur-Nobel-Preis. Der Messe-Mayer erwischte mich auch dieses Jahr wieder unvorteilhaft, ein beim AWS-Abend geschossenes Foto veröffentliche ich hier lieber nicht und die Random-House-Party am Mittwoch fand ich um Längen besser als die Droemer-Party am Donnerstag.

Soweit mein subjektiver Messebericht, nach Rückkehr in den Alltag werden dann auch an dieser Stelle wieder die wirklich wichtigen Branchenthemen angegangen…

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Es ist Buchmesse! Und alle fahren doch wieder hin…

5. Oktober 2010

Es ist jedes Jahr das gleiche Spiel. „Muss man überhaupt noch nach Frankfurt fahren?“,  „Viel zu voll, keine Ruhe für Gespräche“ oder auch erschöpfend „Das bringt doch eh nix…“

Das Ende vom Lied: Alle fahren wieder hin… Und das ist auch gut so. Auch ich werde mich Mittwoch in aller Herrgottsfrühe auf den weiten Weg von Ostfriesland in die Mainmetropole machen und ab Mittag in den allgemeinen Buchmenschen-Strom eintauchen. Und wissen Sie was: ich freu mich drauf!

Nach (technischer und zeitlicher) Möglichkeit werde ich via Blog noch aus Frankfurt ein paar Messeeindrücke zum Besten geben, auf jeden Fall aber ganz viel von dort twittern. Sowohl am Donnerstag als auch am Freitag plane ich einen Besuch der jeweiligen Twittagessen ein, wo hoffentlich auch Gelegenheit zu vielen Gesprächen mit vielen Leuten über viele Themen der Branche bestehen wird.

Bis bald, wir sehen uns hoffentlich in Frankfurt!

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So ein Buch, so wunderschön wie dieses…

1. Oktober 2010

Ich bin begeistert. Entzückt. Schmelze dahin vor freudvoller Fassungslosigkeit.

Der Grund? Ein Buch, natürlich. Nein, eigentlich sind es sogar drei Bücher, aber dazu gleich noch mehr.

Gestern jedenfalls, gestern zog unser DPD-Fahrer aus all den Paketen in seinem großen Lieferwagen nicht einfach nur ein kleines Päckchen für mich, sondern ein Kleinod. Ein großes Kleinod, zugegeben, denn das Format des Buches ist ein veritables Bildbandformat.

Wie? Ich soll endlich sagen, worum es geht? Na gut: „Hollywood in den 30er Jahren“ heißt das Schmuckstück, und es ist das dritte Buch einer Reihe, die Robert Nippoldt im Gerstenberg-Verlag herausgebracht hat.

Es ist allerdings keine Buchreihe im eigentlichen Sinn, sondern bisher ein Trio von Büchern, die sich in ihrer liebevollen Ausstattung und ihrem bibliophilen Anspruch gleichen, wenngleich sie unterschiedliche Themen behandeln.

Die ersten beiden Bände hießen „Gangster – Die Bosse von Chicago“ und „Jazz im wilden New York der Zwanziger“. Nun also „Hollywood in den 30er Jahren“, und damit wird dann doch sowas wie ein einheitliches Reihenthema ersichtlich. Robert Nippoldt ist fasziniert vom Amerika des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts, und er gewinnt dieser Zeit ihre entscheidenden Facetten auf eine Art und Weise ab, die den Leser und Betrachter das Buch ehrfürchtig blättern lässt.

Ich schreibe mit Absicht „Leser und Betrachter“, denn Nippoldts Bücher sind sowohl Lese- als auch Bilderbücher, und Nippoldt selbst zeichnet für die Illustrationen verantwortlich. Der Hollywood-Band ist getextet von Daniel Kothenschulte, beim Jazz-Buch hat Experte Hans-Jürgen Schaal für die inhaltliche Qualität gesorgt, und die Gangster hat Robert Nippoldt gleich selbst geschrieben.

„Hollywood in den 30er Jahren“ präsentiert Schauspieler, Techniker, Filmfiguren, die für große Momente der Filmgeschichte gesorgt haben. Bereits die Farbe des Leineneinbands verweist dabei darauf, dass es sich hier um eine goldene Zeit gehandelt haben muss, die den Mythos Hollywood begründete. Charlie Chaplin kommt genauso vor wie Mae West und King Kong, eine ordentliche Mischung also, die Nippoldt kühn mit einer Illustrationstechnik zwischen Holzschnitt und Comic in Szene setzt und Kothenschultes Texte somit kongenial ergänzt.

Wie man merkt, ist dies weniger eine Rezension als eine Huldigung, doch hat der Gerstenberg-Verlag dies durchaus verdient, produzieren sie doch ein ums andere Mal Inseln der Seligen im Meer der Novitäten. Und mit Nippoldts Büchern sogar noch die Oasen auf den Inseln dazu.

Wer also mal wieder schwärmen möchte, sowohl für schöne Bücher als auch für die großen Filmmomente der Frühzeit, der ist mit diesem Buch gut bedient, und sollte auch den Erwerb der anderen beiden Bände durchaus in Erwägung ziehen!

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Charmante Kritik an diversen Medienhypes

24. September 2010

Das kursiert derzeit im Netz und ich finde es ziemlich charmant. Nimmt es doch den Hype, der mittlerweile um jedes neue technische Dingenskirchen gemacht wird, auf unaufgeregte Weise aufs Korn:

Kennen Sie BOOK?

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Nicht jeder, der ein Buch veröffentlicht, ist auch gleich ein Autor

13. September 2010

Den provokanten Satz, der die Überschrift für diesen Artikel bildet, twitterte Texterin Juliane Weuffen (@rachelzwitscher) kürzlich und ich retweetete ihn, da er mir recht wahr erschien. Kurze Zeit später wies mich Wenke Richter (@digiwis) darauf hin, dass es zu diesem Thema kürzlich auf der Facebook-Seite von „Ich mach was mit Büchern“ einigermaßen heftige Diskussionen gegeben habe und es sich dabei um ein lohnenswertes Blogthema handeln könne.

Nun denn.

Ist dieser Satz einfach nur arrogant? Einfach nur richtig? Oder dürfen wir die Wahrheit wie so oft irgendwo in der Mitte vermuten? Zunächst muss man wohl zwei Dinge unterscheiden. Sowohl in der „Was mit Büchern“-Gruppe als auch bei der bemerkenswerten Serie von Tom Liehr im Literaturcafé geht es eher um die Unterscheidung zwischen der Armee von Hobbyautoren, die aus den unterschiedlichsten Gründen gar nicht erst in den Genuss einer „offiziellen“ Veröffentlichung ihrer Texte kommen und denjenigen, die professionell Textarbeit betreiben und im Buch-Betrieb Fuß fassen konnten. Die Frage von Juliane hingegen zielt durchaus auf letztere Gruppe ab und fordert hier noch einmal eine Unterscheidung ein.

Es könnte sich hierbei um den guten alten Streit zwischen E- und U-Literatur handeln. Sind Wölkchenbücher und Nackenbeißer (Danke an @domus_libri für den Hinweis!) Literatur und ihre Autoren „echte Autoren“? Oder braucht es schon mindestens eine ernsthafte Besprechung im Feuilleton, um als Autor gelten zu dürfen? Das gleiche gilt übrigens im Sachbuch: wie halten wir es mit dem Verfasser des siebenundneunzigtausendsten Esoterik-Ratgebers in Abgrenzung zu einem gelungenen Sachbuch über ein wichtiges historisches Thema. Charlotte Roche und Thilo Sarrazin haben Bücher geschrieben. Sind sie auch Autoren?

Ich bin geneigt, die Antwort auf die Frage dem Markt zu überlassen. Wer in einem Verlag ein Buch veröffentlicht hat (von unseren „Freunden“ von den Zuschussverlagen reden wir hier natürlich nicht), hat zumindest schon mal einige Zulassungsschranken passiert, über die ja auch Tom Liehr ausführlich schreibt. Es gibt einen Verleger, der den Text drucken will, es gibt einen Lektor, der am Text arbeitet, es gibt eine Marketingabteilung und Vertreter, die sich hoffentlich auch dafür einsetzen werden. Wer also diese Schranken passiert hat, darf mit Fug und Recht als Autor gelten.

Die Beurteilung der qualitativen Seite der Geschichte, auf die die Ausgangsfrage ja eigentlich abzielt, ist wohl jedem Leser persönlich anheimgestellt. Sind Autoren nur diejenigen, die schreiben, was mir gefällt und was ich für qualitativ hochstehend erachte? Oder gestehe ich der Autorin des erfolgreichen und auf ihre Art gut gemachten Wölkchenbuches auch zu, als Autorin durchzugehen?

Andersherum könnte man etwas provokativ fragen: lassen Verlage heute nicht zu viel Text durch ihre Schranken und entwerten damit den Status des Autoren? Der Blick auf die Unzahl der am Markt befindlichen Bücher legt diesen Schluss nahe. Hier ist die Kompetenz der Verlage angesprochen, die ich erst in den letzten Tagen wieder ernsthaft in Zweifel zu ziehen geneigt war.

Eine Kollegin, die mehrere (gute) Sachbücher veröffentlicht hat, erzählte mir von einem Angebot, als Ghostwriterin ein Buch zu schreiben. Sie zögerte jedoch mit Recht, das Angebot anzunehmen, denn hier hatte sich der Verlag offensichtlich von vornherein verkalkuliert. Er hatte einer Person, die nie zuvor ein Buch geschrieben hatte, vertraglich zugesagt, ihre Lebensgeschichte zu veröffentlichen, offensichtlich in der Hoffnung, damit auf dem Markt der Erfahrungsbücher landen zu können. Nun war man kurz vor der Deadline für die Manuskriptabgabe und musste feststellen, dass diese Person schlicht und ergreifend nicht schreiben konnte. Ständige Qualitätskontrolle im Laufe der Arbeit am Manuskript war augenscheinlich nicht erfolgt.  Meine Kollegin war nun auserkoren, in kürzester Zeit aus dem vorhandenen Wust einen lesbaren und verkäuflichen Text zu machen. Was ihr unmöglich erschien angesichts der Vorlage.

Vielleicht ist das der Knackpunkt. Dieses Buch wird u.U. erscheinen, der Verlag ist immerhin vertraglich an seine Zusage gebunden. Ist die Autorin dann wirklich Autorin? Wohl nur im juristischen und ganz ursprünglichen Sinne. Mit Qualität hat das nichts zu tun und der betreffende Verlag ist seiner Aufgabe als „Gatekeeper“ nicht nachgekommen.

Solche Dinge verwässern den Begriff des Autors und lassen den überschriftenstiftenden Satz als richtig erscheinen. 90.000 Neuerscheinungen im Jahr legen nahe, dass es sich dabei nicht um einen Einzelfall handelt.

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Der Streit ums Bestseller-Backen

6. September 2010

Heute erscheint in der WELT ein Artikel, der sich mit dem Phänomen beschäftigt, dass nur noch großes mediales Getöse dazu führe, ein Sachbuch zu einem Bestseller zu machen. Die Reaktion einer Followerin, nachdem ich den Link zum Artikel twitterte, bestärkt mich darin, ein paar Takte dazu zu schreiben.

Ob man denn angesichts eines solchen, offensichtlich mit zweifelhaften Methoden erkauften, Erfolgs morgens noch in den Spiegel schauen könne, war sinngemäß die Frage der twitternden Journalistin und Buchautorin Petra von Cronenburg. (mehr …)

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Buchhandlung Koch auf Juist. Oder: ein paar Gedanken zum unabhängigen Buchhandel

1. September 2010

Heute ist in der September-Ausgabe des BuchMarkt mein Artikel über die Buchhandlung Koch auf der ostfriesischen Insel Juist erschienen. Das Gespräch mit Thomas Koch im Juister Café Baumann‘s, mittlerweile ist es schon wieder sechs Wochen her, hat bei mir noch mal den Blick dafür geschärft, worum es eigentlich beim Handel mit der Ware Buch geht.

Sicher, Koch ist in einer exponierten Lage, wie sie kaum ein anderer Buchhändler vorweisen kann, mal abgesehen vielleicht von den Kollegen auf den anderen Inseln. Ein wenig befindet er sich in der Tat auf einer „Insel der Seligen“, kein Thalia und kein DBH wird auf die Idee kommen, ein Buchkaufhaus auf Juist zu eröffnen. (mehr …)

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Zwei Journalisten im Offline-Wunderland. Sowas wie eine Rezension

16. August 2010

Alex Rühle und Christian Koch waren offline. Ersterer ein halbes Jahr, letzterer sechs Wochen. Und da schreiben nun mal ihr Job ist, haben sie gleich mal so ein altmodisches Ding daraus gemacht, für das man nicht mal ein Lesegerät braucht.

Die Verlage Klett-Cotta (Rühle) und Blanvalet (Koch) haben’s gedruckt, und nun dürfen wir Blogger, Twitterer, Facebooker und sonstigen Online-Afficionados überlegen, ob wir uns darin wiederfinden oder nicht.

Blöderweise muss ich gestehen: hätte ich in beiden Büchern alle Stellen markiert, an denen ich mich wiederfinde, hätte ein einzelner Block mit diesen bunten „Pagemarkern“ wohl nicht ausgereicht. Beide beschreiben anschaulich im Tagebuchstil, wie sehr ihnen das stete On-Sein in Fleisch und Blut übergegangen ist, und es überkommt einen ein seltsames Gefühl der Komplizenschaft. (mehr …)

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